134. Tag: Verirrt in der Wildnis – Nervenaufreibende Stunden in den Bergen
Mittwoch, 30.08.2023
Wie gestern, führte mich mein erster Weg heute zur Post. Leider war mein ersehntes Paket immer noch nicht angekommen. In der Sendungsverfolgung der italienischen Post stand „Transit“. Die freundliche Dame am Schalter sagte, dass dies merkwürdig sei und es so aussieht, als ob das Paket zurückgeschickt wird. Als ich ihr erzählte, dass es sich um eine Sendung von Decathlon handelt, erinnerte sie sich, dass es bereits vor einigen Tagen Probleme mit einer Sendung von Decathlon gab und diese nie angekommen ist. Sie meinte, es sei unwahrscheinlich, dass mein Paket ankommt.
Ich überlegte, was ich tun könnte, und mir kamen zwei Optionen in den Sinn. Die erste war, in die entgegengesetzte Richtung zu laufen, etwa drei Stunden nach Domodossola, wo es mehrere Sportgeschäfte gibt. Die andere Möglichkeit war, ohne meinen Poncho, meine Regenjacke, Regenhose und mein Messer loszuziehen. Immerhin hatte ich es bis jetzt ohne sie geschafft. Ich entschied mich, einen letzten Versuch zu unternehmen und ging 30 Minuten zum benachbarten Ort Vogogna, wo es ein auf Fischen und Ski spezialisiertes Sportgeschäft gab. Dort fand ich zwei Ponchos, aber der eine war zu klein und der andere schien genauso minderwertig wie mein alter Poncho zu sein und kostete 20 Euro. Das war keine Option für mich.
Bevor ich eine endgültige Entscheidung traf, entschied ich mich, in einem Café eine Pause einzulegen. Ein Café und ein Croissant für 2,50 Euro, habe ich schon erwähnt, wie sehr ich diese italienischen Bars liebe? Nach der kurzen Rast beschloss ich schließlich, meine Wanderung fortzusetzen. Ich schrieb einen Blogartikel und startete erst gegen 11 Uhr. Währenddessen überprüfte ich meine E-Mails und fand eine Nachricht von der italienischen Post, dass mein Paket zur Abholung bereitsteht. Also ging ich erneut zur Post. Die Spannung stieg, als ich die Filiale betrat, aber die Frau am Schalter sagte, während sie einen anderen Kunden bediente: „Ihr Paket ist da.“ Obwohl die ersten 10 Kilometer meines Tages Hotel, Post, Sportgeschäft und erneut Post waren, brachte diese unerwartete Wendung eine große Freude.
Die Wanderung gestaltete sich noch nervenaufreibender als mein Abenteuer mit der Post. Immer wieder verlor ich den Weg. Manchmal tauchten Wegweiser scheinbar aus dem Nichts auf, dann gab es Markierungen, und dann wieder stundenlang nichts. Manchmal stand ich bis zum Hals im Gras. Über lange Abschnitte hinweg sah ich keine Markierungen, und manchmal war ich mir unsicher, welchen Weg ich einschlagen sollte. Es schien, als würde ich eine Ewigkeit für diesen Abschnitt benötigen.
Ich versuchte, meinen Weg zu finden, und an mindestens drei Stellen war ich kurz vor der Verzweiflung und dachte sogar über eine Umkehr nach. Besonders knifflig wurde es, als ich einen schnellen Wasserlauf überqueren musste und keine Ahnung hatte, wie ich das bewerkstelligen sollte. Gleichzeitig zogen dunkle Wolken am Himmel auf, und ich dachte, dies könnte der schlimmste Tag meiner Reise werden. Doch irgendwann, nachdem ich den Lauf rauf und runter gelaufen war, fand ich eine Stelle zum Überqueren. Der Himmel klarte auf, und später entdeckte ich wieder eine Markierung. Ich war so darauf fixiert, dass ich beinahe gestolpert wäre.
Das Gelände wurde alpiner, und ich konnte sogar mein Ziel, das Bivacco Alpe del Lago, in der Ferne erkennen. Die Unterkunft war ernüchternd, aber immerhin kostenlos. Die Aussicht von dort oben war atemberaubend. Ich erkannte das Bergdorf Colorie, durch das ich am Samstag gewandert war, und schaute auf die Berge im Val Grande. Ich weiß nicht, was es genau ist, aber trotz der bescheidenen Unterkunft überkam mich ein tiefes Glücksgefühl. Vielleicht war es die Luft, die Aussicht oder einfach die Tatsache, dass dieser nervenaufreibende Tag doch noch positiv endete. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber ich glaube, Berge machen glücklich.
3 % der Strecke nach Nizza geschafft 1,25 von 50 Etappen Nizza geschafft
Fotos :
Karte:
Maximale Höhe: 1737 m
Minimale Höhe: 219 m
Gesamtanstieg: 1732 m
Gesamtabstieg: -224 m
Ciao Gregi, sich manchmal ein wenig zu verlaufen gehört auch dazu … 😉 Geniess die letzten paar Etappen nach Nizza, ist ja nicht mehr so weit wie auch schon 🙂
Hallo Jürgi, danke für dein Kommentar. Verlaufen ist OK. Verloren gehen ist schlecht. Und hier ging teilweise kaum noch weiter.